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Raynaud - Syndrom

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Wenn die Finger plötzlich weiß und eiskalt werden

Wenn die Finger oder Zehen bei Frost oder Kälte plötzlich eiskalt und weiß werden, kann es sich um das recht unbekannte Raynaud-Syndrom handeln, welches auch als „Weißfingerkrankheit“ oder „Leichenfinger“ bezeichnet wird. Die Symptome sind Folge einer Durchblutungsstörung und betreffen Frauen deutlich häufiger als Männer. Die Prävalenz, also die Krankheitshäufigkeit, liegt in Deutschland insgesamt bei 3 %. Der französische Arzt Maurice Raynaud beschrieb diese Störung bereits während seines Medizinstudiums im 19. Jahrhundert, weshalb es nach ihm benannt wurde.

Was genau steckt hinter der „Weißfingerkrankheit“?
Bei dem Raynaud-Syndrom handelt es sich um Vasospasmen (Gefäßspasmen), die für Durchblutungsstörungen an den äußersten Gliedmaßen sorgen. Dies geschieht durch plötzliches Verkrampfen der Gefäße. Meistens sind die Finger betroffen, in einigen Fällen jedoch auch die Zehen. Diese Gefäßspasmen treten kurzzeitig auf und verschwinden nach etwa 15 bis 30 Minuten wieder. Schon kurze Berührungen mit eiskalten Gegenständen, können für die extrem starke Gefäßreaktion sorgen. Das Raynaud-Syndrom verläuft in drei Phasen: Zuerst werden Finger oder Zehen weißlich, dann sogar bläulich und wenn die Durchblutung wieder einsetzt, werden sie rötlich. Wenn sich die Blutzufuhr wieder neutralisiert, können mäßige bis starke Schmerzen auftreten. Charakteristisch für das Syndrom ist, dass die Symptome beidseitig und häufig gleich stark ausgeprägt auftauchen. Die anfallsweise auftretende Durchblutungsstörung sorgt nicht nur für die farbliche Veränderung, parallel können Kribbeln und ein Taubheitsgefühl auftreten und es fühlt sich an, als seien die Gliedmaßen eingeschlafen. Es werden das primäre und das sekundäre Syndrom unterschieden. Beide Ausprägungen haben Kälte als Hauptauslöser.

Primäres Raynaud-Syndrom oder auch Morbus Raynaud.
Von dieser Ausprägung sind in der Regel Frauen betroffen. 80 % aller Raynaud-Syndrom-Fälle gehören zu dieser primären Art. Hier treten die Symptome ohne einen erkennbaren Grund auf und die Ursachen konnten bis dato noch nicht richtig erforscht werden. In den meisten Fällen ist es eine Reaktion auf äußere Reize wie Kälte oder Stress und kann mit niedrigem Blutdruck zusammenhängen. Schon ein kurzer Kältereiz durch kaltes Wasser aus dem Wasserhahn kann dafür sorgen, dass die Blutzufuhr in den Händen oder Füßen stoppt. In der Regel verläuft die Störung harmlos und daher ohne eine Therapie. Das primäre Raynaud-Syndrom tritt meistens zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf und kann bei Frauen während der Wechseljahre und dem dadurch bedingten steigenden Blutdruck wieder vollständig verschwinden. Häufig ist das Raynaud-Syndrom eine genetische Veranlagung und tritt öfter innerhalb einer Familie auf.

Sekundäres Raynaud-Syndrom
Die zweite Form der Gefäßspasmen ist die Folge einer Grunderkrankung oder einer Autoimmunschwäche und hängt nicht mit einer genetischen Veranlagung zusammen. Meistens äußert sich das Syndrom erst ab 40 Jahren. Die Anfälle sind hier nicht immer synchron, jedoch deutlich stärker als beim primären Raynaud-Syndrom. In schlimmen Fällen und bei regelmäßigen Krämpfen kann es sogar zu dauerhaften Hautveränderungen kommen.

Folgende Störungen können das sekundäre Raynaud-Syndrom zur Folge haben:

  • Morbus Buerger (Entzündungen kleinerer Gefäße in der unteren Körperhälfte)
  • neurologische Erkrankungen (z.B. nach einem Schlaganfall)
  • Verklumpungen im Blut, die die Fließeigenschaften verändern (kann auch durch Medikamente ausgelöst werden)
  • rheumatische Erkrankungen
  • Gefäßverschlüsse an den äußersten Gliedmaßen
  • Störungen im Hormonhaushalt

Was geschieht während des Farbwechsels in den äußersten Gliedmaßen?
Nachdem der Kälte- oder Stressreiz ausgelöst wurde, verengen sich die Arterien krampfartig. Demnach wird die Blutzufuhr sehr stark verringert und die Finger werden weißlich. Es sind häufig nur Teile von Hand und Fuß betroffen, aber der Anfall beginnt in jedem Fall an den Fingerkuppen oder in den Zehenspitzen und zieht dann je nach Stärke weiter. Während dieser Phase treten dann auch Kribbeln und ein Taubheitsgefühl auf. Da die Sauerstoffzufuhr, während der Verkrampfung, ebenfalls sehr gering ist, färben sich die äußersten Gliedmaßen nach einigen Minuten bläulich. Wenn sich dann der Krampf wieder löst, schießt plötzlich eine Menge Blut in die Finger oder Zehen und es kommt zu einer rötlichen Verfärbung. Ab diesem Zeitpunkt treten häufig Schmerzen bei den Betroffenen auf. Grundsätzlich gilt aber, dass Dauer und Stärke des Krampfes von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein können und nicht alle drei Stadien durchlaufen werden müssen.

Gibt es Therapiemöglichkeiten?
Eine richtige Therapie gibt es nicht. Es können eher Präventionsmaßnahmen ergriffen werden, wie eine gesunde Ernährung oder der Verzicht auf das Rauchen, um die Gefäße nicht mehr zu verengen. Das Vermeiden von kalten Getränken und Nahrungsmitteln kann ebenfalls dazu beitragen, die Anfälle zu lindern. Zudem sind Wärmehandschuhe und generell warme Kleidung, besonders an Fuß und Hand, im Winter wichtig. Stressabbau ist ebenfalls sehr wichtig und kann zum Beispiel durch Entspannungsübungen, wie autogenes Training, gefördert werden.

Was tun, wenn sich eine Raynaud-Attacke bemerkbar macht?
Um die Schmerzen, die in der dritten Phase des Raynaud-Syndroms bei der einsetzenden Durchblutung auftreten, zu lindern, sollte man die betroffenen Körperstellen sofort mit warmen Wasser waschen. Bewegung der Hände und Füße sowie eine Massage, können ebenfalls helfen, die Gefäße wieder zu öffnen. Sollten sich die Symptome nach einer halben Stunde nicht mildern, ist ein Besuch beim Hausarzt zu empfehlen.

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