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Harninkontinenz bei Frauen

von Prof. Dr. med. Werner Bader, Gabriele Loesing (Kommentare: 0)

Formen einer Harninkontinenz
Eine Harninkontinenz beschreibt den unwillkürlichen Verlust von Urin und wird im Volksmund auch als „Blasenschwäche“ oder als „schwache Blase“ bezeichnet. Es werden drei Formen unterschieden:

Belastungsinkontinenz
Unwillkürlicher Urinverlust, sobald sich der Druck im Bauchraum bzw. auf die Blase erhöht. Dies kann beim Tragen oder Heben schwerer Gegenstände, beim Husten. Niesen, Lachen oder Pressen der Fall sein. Die Belastungsinkontinenz wird in die folgenden drei Grade eingeordnet.

  • Grad 1: Harnverlust bei Husten, Pressen, Niesen oder schwerem Heben
  • Grad 2: Harnverlust beim Gehen, Bewegen oder Aufstehen
  • Grad 3: Harnverlust in Ruhe oder im Liegen bei Bewegung.

Dranginkontinenz
Plötzlicher, übermäßig starker Harndrang, obwohl die Blase noch nicht voll ist. Der Harn wird schwallartig abgelassen

Mischinkontinenz
Eine Mischung aus Belastungs- und Dranginkontinenz

Wie entsteht eine Inkontinenz?
Eine Harninkontinenz kann bei Frauen in jedem Alter auftreten, wobei die Wahrscheinlichkeit, diese zu entwickeln, mit dem Alter steigt. Ursachen einer Inkontinenz können das Alter, Übergewicht, hormonelle Störungen wie ein Östrogenmangel, schwaches Bindegewebe, Schwangerschaft und Geburt sowie Harnwegsinfekte oder Nervenschädigungen durch Unfälle, Tumore oder Traumata sein. Um zu verstehen, wie es zu einer Inkontinenz kommt, muss erst erklärt werden, wie die Blase im gesunden Zustand funktoniert: Die Blase muss in der Lage sein, den Urin für eine längere Zeit zu speichern. Während dieser Phase ist der Blasenmuskel entspannt, wodurch sich die Blase ausdehnen und mit Urin füllen kann. Der Schließmuskel der Blase sorgt dafür, dass der angesammelte Urin nicht umgehend über die Harnröhre abfließt, und dient demnach als Abdichtung der Blase. Neben dem Speichern muss sich die Blase zu einem gewünschten Zeitpunkt entleeren und den Urin über die Harnröhre abgeben können. Bei der Entleerung zieht sich der Blasenmuskel zusammen, während der Schließmuskel der Blase entspannt wird und der Urin über die Harnröhre abfließen kann. An der Koordinierung dieser Vorgänge sind das Hirn, das Rückenmark, Muskeln und Nerven beteiligt. Gibt es einen Defekt, arbeiten das System der Blasenkontrolle nicht mehr sinnvoll und es kommt zum unwillkürlichen Harnverlust.

Was hilft?
Neben dem offenen Gespräch mit Freundinnen und Freunden oder der behandelnden Ärztin / dem Arzt gibt es Tipps und Tricks, die den Alltag mit einer Harninkontinenz erleichtern können.

Training
Was zunächst banal klingt, kann durchaus funktionieren: Gehen Sie in festgelegten Intervallen zur Toilette, auch wenn Sie keinen Harndrang verspüren. Nach einer Weile können die zeitlichen Abstände vergrößert werden, wodurch die Blase trainiert wird, den Urin länger zu halten. Nehmen Sie sich allerdings bei der Vergrößerung der Abstände nicht gleich zu viel vor!

Ernährung
Nahrungsmittel, die Koffein, Alkohol, scharfe Gewürze, Kohlensäure oder viel Fruchtsäure enthalten, sollten gemieden werden, da hierdurch die Blase gereizt wird. Menschen, die an einer Blasenschwäche leiden, neigen dazu, wenig zu trinken, um nicht so oft auf die Toilette gehen zu müssen. Allerdings kann die ausreichende Aufnahme von Wasser dabei helfen, den Urin zu „verdünnen“, da hochkonzentrierter Urin die Blase zusätzlich belastet.

Präparate und Einlagen
Zusätzlich zum Training und einer Ernährungsumstellung kann durch Medikamente die Lebensqualität von Frauen, die an einer Harninkontinenz leiden, verbessert werden. Die Einnahme sollte jedoch im Vorfeld mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin besprochen werden. Auch spezielle Einlagen können Schutz bieten, sollte man es nicht rechtzeitig auf die Toilette schaffen oder unkontrolliert Urin verlieren. Diese können sowohl in der Apotheke als auch im Drogeriegeschäft erworben werden.

Selbsthilfegruppe Inkontinenz

Die Gynäkologische Klinik im Zentrum für Frauenheilkunde am Klinikum Bielefeld Mitte und die Klinik für Allgemeinchirurgie und Koloproktologie am Klinikum Bielefeld Rosenhöhe kooperieren mit der Selbsthilfegruppe Inkontinenz Bielefeld. Unter dem Motto „Inkontinenz, ein Tabuthema? Für uns nicht, wir reden drüber!“ bietet die etwa 15-köpfige Selbsthilfegruppe unter der Leitung von Gabriele Lösing Betroffenen einen Raum, um sich über die Erfahrungen und den Umgang mit der Inkontinenz austauschen. Darüber hinaus werden praktische Tipps für den Alltag besprochen (zum Beispiel „Wie finde ich die nächsten WCs in der Stadt?“) und Präventionsmaßnahmen vorgestellt. Hin und wieder finden auch Fachvorträge von Ernährungs- oder Sanitätsberatern statt, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktuelle Informa-tionen zum Thema Inkontinenz erhalten und einem Experten Fragen stellen können. Bei jedem Treffen steht zudem Chefarzt Prof. Dr. med. Bader den Gruppenmitgliedern mit fachlichem Rat zur Seite.

Die Selbsthilfegruppe Inkontinenz Bielefeld trifft sich alle zwei Monate im Seminarraum 3 im Klinikum Bielefeld Mitte, Teutoburger Str. 50, 33604 Bielefeld. Das nächste Treffen findet am Montag, den 21.10.2019, von 17.00 bis 18.30 Uhr statt. Um eine telefonische Voranmeldung unter der Nummer 05 21. 3 37 - 30 75 wird gebeten.

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