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Händewaschen nicht vergessen!

von Dr. med. Johannes Kleideiter (Kommentare: 0)

Händewaschen nicht vergessen!

Der englischen Monarchin Elisabeth I., die im 17. Jahrhundert lebte, wird nachgesagt, sie hätte sich immerhin einmal im Monat gewaschen, auch wenn dies ihrer Ansicht nach überhaupt nicht notwendig gewesen wäre. Der französische König Ludwig XIII. soll, so wird es in den Geschichtsbüchern behauptet, mit 6 Jahren sein erstes Bad genommen haben. Das Verständnis und der Stellenwert von Hygiene veränderten sich durch religiöse und gesellschaftliche Einflüsse im Laufe der Zeit. In früheren Jahrhunderten wurde dem Dreck auf der Haut eine schützende Wirkung zugesprochen, heute wird nicht selten höchste Reinheit angestrebt. Forscher stellten unlängst fest, dass Kinder, die in Großstädten leben, häufiger Nahrungsmittelallergien entwickeln als Kinder deren Lebensumfeld ländlich geprägt ist. Ist Dreck demnach gesund oder zumindest gesundheitsförderlich?

Die vielen Erregerarten, die sich in unserer Umwelt aber auch auf unserer Haut und den Schleimhäuten befinden, lassen sich grob drei Kategorien zuordnen.

  1. Da sind zunächst die ungefährlichen Mikroorganismen, also die, die zu unserer physiologischen Besiedelung gehören. Diese verursachen in aller Regel keine Infektionen. Kurz gesagt, sie sind harmlos, aber sehr nützlich.
  2. Daneben gibt es Bakterien, die zu unserer physiologischen Besiedelung gehören, jedoch potenziell Infektionen verursachen können. Diese Erreger werden durch unser Immunsystem kontrolliert, damit werden Infektionen verhindert. Sollte jedoch unser Immunsystem eine Schwäche erleiden aufgrund von Erkrankungen oder Therapien, wie z.B. eine Chemotherapie bei bösartigen Erkrankungen, können diese Erreger auch schwerwiegende Infektionen hervorrufen.
  3. Die dritte Kategorie umfasst Erreger, die nach Aufnahme in den menschlichen Körper sehr häufig Infektionen verursachen. Dies kann ein banaler Schnupfen aber auch eine gefährliche Infektion, wie Vogelgrippe oder Ebola, sein.

Vor den Erregern der Kategorie 3 sollte sich jeder schützen. Aber wie?
Der Markt bietet eine große Palette an chemischen Produkten, die versprechen, Krankheitserreger in der Umwelt abzutöten. So sind beispielsweise in Deutschland über 30.000 sogenannte Biozidprodukte zugelassen. Diese werden eingesetzt, um Schädlinge oder Mikroorganismen abzutöten. Der Einsatz derartiger Produkte im häuslichen Umfeld ist jedoch mit Risiken für Mensch und Umwelt verbunden und häufig schlicht nicht erforderlich.
Eine einfache und ungefährliche Maßnahme sich vor Krankheitserregern zu schützen, besteht darin, sich die Hände regelmäßig zu waschen. Dazu braucht es fließendes Wasser und Seife, mehr nicht. Dies wurde in zahlreichen Untersuchungen bestätigt.

Kann es ein „Zuviel“ an Sauberkeit geben?
Die Hände spielen eine bedeutende Rolle bei der Übertragung von Krankheitserregern, denn sie können Mikroorganismen an vielen Orten unbemerkt aufnehmen. So können z.B. am Haltegriff in der Straßenbahn oder dem Einkaufwagen im Supermarkt Krankheitserreger „haften“, die sich auf unsere Hände übertragen. Zur Infektion kommt es dann durch den Kontakt der Hand zur Nase, den Augen oder Lebensmitteln. Häufig geraten unsere Hände schon bei Alltagstätigkeiten in Kontakt mit unterschiedlichen Krankheitserregern. Zu diesen Tätigkeiten zählen z.B. der Kontakt zur Mülltonne oder der Komposttonne. Gleiches gilt auch für das Wechseln von Windeln und natürlich für den Toilettengang. Händewaschen reduziert das Infektionsrisiko, denn das Waschen mit Wasser und Seife reduziert nachweislich die Anzahl der Krankheitserreger auf der Haut.  Sich die Hände zu waschen erscheint simpel. Eine Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergab hingegen, dass viele Menschen sich die Hände nicht ausreichend gründlich waschen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass exzessives Waschen zu einer Schädigung der Haut führen kann. Es geht also nicht darum, sich die Hände möglichst häufig am Tag zu waschen. Die Hände sollten gezielt dann gewaschen werden, wenn es zu einem möglichen Kontakt mit Krankheitserregern gekommen ist.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt auf ihrer Internetseite daher das Händewaschen immer bei folgenden Anlässen:

Nach:

  • dem nach Hause kommen
  • dem Besuch der Toilette
  • dem Wechseln von Windeln oder wenn Sie Ihrem Kind nach dem Toilettengang bei der Reinigung geholfen haben
  • dem Naseputzen, Husten oder Niesen
  • dem Kontakt mit Abfällen
  • dem Kontakt mit Tieren, Tierfutter oder tierischem Abfall

Vor:

  • den Mahlzeiten
  • dem Hantieren mit Medikamenten oder Kosmetika

Vor und nach:

  • der Zubereitung von Speisen sowie öfter zwischendurch, besonders wenn Sie rohes Fleisch verarbeitet haben
  • dem Kontakt mit Kranken
  • der Behandlung von Wunden

Bei der Wahl der Seife sollte berücksichtigt werden, dass Flüssigseifen festen Seifenstücken hygienisch überlegen sind. Antibakterielle Zusätze in den Seifen sind nicht erforderlich. Ist keine Seife verfügbar, so sollten die Hände mit Wasser allein gewaschen werden, denn hierdurch wird zumindest ein Teil der Krankheitserreger entfernt.
Es ist sinnvoll, bereits Kinder früh an ein regelmäßiges Händewaschen heranzuführen.
In Kranken- und Pflegeeinrichtungen ist das Händewaschen allein nicht ausreichend. Im Krankenhaus beispielsweise ist eine deutlich höhere Dichte an Krankheitserregern zu erwarten, zudem sind viele Patienten durch ihre Erkrankung anfälliger für Infektionen. Daher wird im Krankenhaus eine Desinfektion der Hände mit einem alkoholischen Präparat durchgeführt. Daher unterscheiden sich die hygienischen Maßnahmen im Krankenhaus grundsätzlich von denen im privaten Umfeld. Übrigens, die Haut dankt es, wenn sie regelmäßig mit einem Hautpflegeprodukt verwöhnt wird.

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