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Gemeinsam gegen die Antibiotika-Resistenzen

von visite (Kommentare: 0)

Von den antibiotikaresistenten „Krankenhauskeimen“ hat mittlerweile sicherlich jeder schon einmal gehört. In den letzten Jahren haben Ärztinnen und Ärzte immer mehr damit zu kämpfen, dass die von ihnen verordneten Antibiotika wirkungslos bleiben. Dies hat für die Patientinnen und Patienten im Zweifel schlimme Konsequenzen und ist auch alles andere als effizient. Den Mitgliedern des neuen „Antibiotic stewardship“-Teams im Klinikum Bielefeld war das ein Dorn im Auge. Mit viel Elan wollen sie den resistenten Erregern den Kampf ansagen!

Dass Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln, ist ein gar nicht so neues Problem, wie manche vielleicht denken. Bereits kurz nach der standardmäßigen Einführung von Antibiotika in den 1950er Jahren wurden Ärztinnen und Ärzte und Forscherinnen und Forscher auf die Resistenzentwicklungen der Bakterien aufmerksam. Doch die Tragweite des Problems wurde unterschätzt. Rasch kamen neue Substanzen auf den Markt, sogenannte „Reserveantibiotika“, die im Falle einer Resistenz verordnet werden konnten. Doch die ursprünglichen Reserven wurden zum Standard, und die Bakterien entwickelten auch dagegen Resistenzen. Inzwischen gibt es kaum neue Antibiotika-Wirkstoffe, und wenn doch, sind sie meist schwieriger in der Anwendung, nebenwirkungsreicher und teurer. Anstatt das Problem – also der unnötigen und unsachgemäßen Antibiotikagabe – bei der Wurzel zu packen, wurde seitens der Medizin zunächst auf die Erreger fokussiert. Es liefen vermehrt Screenings auf die „Krankenhauskeime“ wie MRSA und MRGN, und die Hygienemaßnahmen wurden verschärft. Als sich diese Herangehensweise jedoch als zu wenig effektiv herausstellte, startete man vor etwa 20 Jahren einen neuen Ansatz: Mit „antibiotic stewardships“ (ABS) widmete man sich der systematischen Betrachtung auch der Antibiotika-Verordnungen. Anfangs geschah dies vor allem in Krankenhäusern, da die resistenten Erreger meist dort entdeckt wurden. Anfang der 2010er Jahre etablierten sich diese ABS-Ansätze in immer mehr Kliniken.

2012

So taten sich auch im Klinikum Bielefeld im Jahr 2012 zwei Oberärzte mit dem Hygiene-Team zusammen und brachten einiges auf den Weg:  Die Entwicklung klinikeigener Antibiotika-Empfehlungen für die meisten Fachdisziplinen, die Durchführung von Antibiotika-Schulungen für ärztliche Mitarbeiter zu wichtigen bakteriellen Infektionen sowie schließlich die Teilnahme an einer bundesweiten Studie zum Antibiotika-Einsatz in Krankenhäusern.

2018

Auf diesen Grundlagen wurde jetzt weiter aufgebaut. Mit der neuen Laborleitung durch Dr. Michael Wehmeier und – in der Mikrobiologie – Dr. Olaf Kaup, haben die ABS-Aktivitäten im Klinikum Bielefeld 2018 neuen Schwung bekommen. Das ABS-Team besteht nun aus einem Mikrobiologen (Dr. Olaf Kaup), den Fachapothekern des Hauses (Michael Lueb, Riza Baris Öztürk), dem Krankenhaushygieniker (Dr. Johannes Kleideiter) und einem infektiologisch erfahrenen Mediziner (Dr. Ulrich Krümpelmann). Sodann stellen fast alle Fachabteilungen aus allen drei Standorten Mitglieder in das Team ab. Das Team soll für eine sachgerechtere Verordnungspraxis von Antibiotika sorgen, um die Infektionstherapie für Patientinnen und Patienten des Klinikums zu optimieren. Ziel ist es, die Medikamentenwirkung zu verbessern und Nebenwirkungen und Resistenzentwicklungen zu verringern. So werden auch andere Patientinnen und Patienten vor Infektionen geschützt und zudem Ressourcen gespart.

Zeitgleich zu dem neuen Aufschwung des ABS-Teams im Klinikum Bielefeld, hat sich Ende 2018 das „ABS-Netzwerk Bielefeld-Ostwestfalen-Lippe“ gegründet. Treibende Kraft für die Entstehung des Netzwerkes war das Projekt AnTiB (Antibiotische Therapie in Bielefeld), welches seit 2016 die ABS-Aktivitäten im ambulanten Bereich fördert. Inzwischen beteiligen sich die niedergelassenen Kinder-, Frauen- und Hausärztinnen und -ärzte, sowie die ambulante Urologie und HNO. Das Klinikum Bielefeld gehört, neben AnTiB, dem EvKB und dem Franziskus-Hospital, zum Gründungskreis des neuen fach-, sektor- und ortsübergreifenden Netzwerkes.

2019

Am 13.2.2019 fand ein vom Netzwerk ausgerichtetes Auftaktsymposium statt, unter dem Motto „Schnittstellen zwischen ambulant und stationär besser managen“. Denn unsere Patientinnen und Patienten kommen von draußen, gehen wieder in die ambulante Medizin zurück und nehmen natürlich in beide Richtungen ihre ggf. vorhandenen resistenten Erreger mit. Kaum zu glauben, aber das ABS-Netzwerk ist in seiner Art einmalig in Deutschland und wird Modellcharakter entwickeln!

MRSA und MRGN

MRSA - Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus
Bakterien der Art Staphylococcus aureus kommen auf der Haut und den Schleimhäuten von vielen gesunden Menschen vor, können aber Krankheiten verursachen wenn sie z.B. durch Wunden in den Körper gelangen. Wenn diese Bakterien zudem gegen das Antibiotikum Methicillin resistent werden (bez. MRSA) hat dieses eine Multi-Resistenzbildung gegen eine Vielzahl von Antibiotika zur Folge.

MRGN - Multiresistente gramnegative Bakterien
Dieses ist eine Sammelbezeichnung für eine große Gruppe von verschiedenen Bakterien mit zum Teil unterschiedlichen Eigenschaften, die jedoch eines gemeinsam haben: Sie sind resistent, das heißt unempfindlich, gegen häufig eingesetzte Antibiotika.

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