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Erster Tag der Arthroskopie ausgerufen: Interview mit Dr. med. Mark Schildknecht

von Dr. med. Mark Schildknecht (Kommentare: 0)

In diesem Jahr stand der 1. Februar erstmals im Namen der Arthroskopie. Deutschlandweit, aber auch in der Schweiz und in Österreich haben Ärztinnen und Ärzte, die Arthroskopien durchführen, dazu aufgerufen, mit dem „Tag der Arthroskopie“ über die minimalinvasive Behandlungsmöglichkeit von verletzten und beschädigten Gelenken aufzuklären und den Austausch zu diesem Thema anzuregen.
Auch Patientinnen und Patienten werden dazu aufgerufen, ihre Erfahrungen mit der Methode zu teilen.

Dr. med. Mark Schildknecht, Leitender Arzt der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Bielefeld Rosenhöhe, wendet die Arthroskopie bei seinen Patientinnen und Patienten an. Er hält es für äußerst wichtig, dass intensiver über die Möglichkeiten der minimalinvasiven Gelenkspiegelung aufgeklärt wird:

Was ist eine Arthroskopie?

Dr. med. Mark Schildknecht: Die sogenannten Spiegelungsoperationen sind minimalinvasive Eingriffe zur Behandlung von Gelenkerkrankungen wie Verschleißleiden und Unfallverletzungen. Dabei wird das Gelenk mit Flüssigkeit aufgefüllt und mit einer Stabkamera über einen kleinen Hautschnitt untersucht. Die Bilder werden auf einen Bildschirm übertragen. Über weitere kleine Schnitte können meist lange feine Instrumente zur operativen Behandlung in das Gelenk eingebracht werden. Das Gelenk muss dabei nicht groß eröffnet werden.

In welchen Fällen erfolgt eine Arthroskopie?

Dr. Schildknecht: Arthroskopische Operationstechniken können an allen größeren Gelenken angewandt werden. Viele Patienten kennen die Operationstechnik möglicherweise bei der Behandlung von Knie- oder Schultergelenken. Aber auch das  Ellenbogengelenk, Sprunggelenk oder Handgelenk kann per Spiegelung untersucht und therapiert werden. Meniskusrisse, Kreuzbandrisse, Schulterkapselverletzungen, Sehnenabrisse an der Schulter und Gelenkmäuse am Ellenbogen sind z.B. einige Diagnosen, bei denen für den Patienten extrem schonend und erfolgreich mit Hilfe der Arthroskopie Behandlungen erfolgen können.

Welchen Vorteil hat die Arthroskopie gegenüber anderen Methoden zur Untersuchung und Behandlung von geschädigten Gelenkstrukturen?

Dr. Schildknecht: Die Arthroskopie ist eine operative Technik und stellt eine sehr schonende Vorgehensweise zur operativen Behandlungen von verschiedensten Gelenkerkrankungen dar. In vielen Fällen ist die Übersicht des erkrankten Gelenks durch kein anderes Verfahren so umfassend möglich. Die Komplikationsträchtigkeit arthroskopischer Verfahren ist dabei deutlich geringer als bei offener operativer Behandlung.

Birgt das Verfahren der Arthroskopie auch Risiken?

Dr. Schildknecht: Es handelt sich um einen operativen Eingriff und der sollte nach Abwägen des Für und Widers für eine operative Behandlung der Erkrankung nach dem aktuellen Kenntnisstand eingesetzt werden. Die Komplikationsraten bei arthroskopischen Eingriffen sind gering (z.B. liegt die Infektionsquote bei einer Arthroskopie des Knies ohne Bandrekonstruktion bei 0,1 %). Entscheidend ist aber das Krankheitsbild und nicht zuerst die Technik der Behandlung. Die Minimalinvasität des arthroskopischen Eingriffes und seine niedrigen Komplikationsraten sollten keinesfalls zu einer Ausweitung der Indikationsstellung solcher Ein-griffe führen.
In die Diskussion gekommen sind arthroskopische Operationen zuletzt durch verschiedene Studien. Länger bekannt ist schon eine Untersuchung zum Kniegelenk, die zu dem Ergebnis kommt, dass ein fortgeschrittener Gelenkverschleiß durch eine Spiegelungsoperation nicht gebessert werden kann. In der Presse wurde aus diesen Studien abgeleitet, dass die Technik des arthrokopischen Operierens allgemein „nichts bringe“ und ab dem 35. Lebensjahr generell keine Arthroskopien mehr empfohlen werden können. Es liegt hier jedoch ein Missverständnis vor. Die Untersuchungen zeigen, dass erst eine sorgfältige und differenzierte Diagnosestellung notwendig ist und dann die entsprechende Therapie nach dem aktuellen Wissensstand mit dem Patienten erörtert werden sollte. Nicht die Technik der Arthroskopie an sich, sondern wann, bei welcher Erkrankung und bei wem eine arthroskopische Operation sinnvoll ist, ist hier ausschlaggebend. Hierzu gibt es klare, sich im Verlauf durch den medizinischen Fortschritt auch weiterentwickelnde Indikationen.
Für den einzelnen Patienten heißt das, er sollte mit seinem behandelnden Arzt das Vorgehen und die Erfolgsaussichten der Behandlung und gegebenenfalls in Frage kommende Alternativen besprechen. Ar-throskopische Operationen sind bei richtiger Indikation extrem segensreich und stellen eine nicht mehr wegzudenkende operative Behandlungstechnik dar.

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