0/5 Herzen (0 Stimmen)
Eine Herzensangelegenheit 0 5 0

Eine Herzensangelegenheit

von Dr. med. Kristin Radke (Kommentare: 0)

Warum der Herzinfarkt bei Frauen häufig unerkannt bleibt

Ein Herzinfarkt gilt bis heute als eine typische „Männerkrankheit“. Auch die allgemein bekannten Symptome und Vorzeichen eines Infarktes – Beschwerden im Brustkorb, die in den linken Arm ausstrahlen – fehlen bei Frauen häufig, weshalb die Gefahr oft unbemerkt bleibt. Hier ist eine Aufklärung von Nöten.
Zwar sterben mehr Männer an einem Herzinfarkt, jedoch ist der Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen häufiger tödlich. Auch bei Frauen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die führende Todesursache. „Der Herzinfarkt bei einer Frau bringt besondere Tücken mit sich: Die Beschwerden, die bei einem Herzinfarkt auftreten, unterscheiden sich von den allgemein bekannten Signalen eines Infarktes beim Mann und werden oft dafür verantwortlich gemacht, dass die Erkrankung bei Frauen später oder sogar zu spät erkannt wird.“, warnt Dr. med. Kristin Radke, Oberärztin der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin.

Ist es bei Männern ein Schmerz in der Brust, der bis in den linken Arm ausstrahlt, treten bei Frauen eher Kurzatmigkeit, Rücken- und Nackenschmerzen, Kiefer- oder Halsschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Schmerzen im Oberbauch auf. Bereits Tage oder Wochen zuvor können anhaltende Müdigkeit, Schlafstörungen, Kurzatmigkeit, Verdauungsstörungen oder ein Taubheitsgefühl in den Armen Vorboten eines drohenden Infarktes sein. Die zunächst untypischen Beschwerden werden häufig auf andere Ursachen zurückgeführt, bis der Verdacht auf einen Herzinfarkt fällt. Auch die Gefahr der Nicht-Beachtung oder auch Verharmlosung von Krankheitssymptomen tritt bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Daher wird der Notruf oft erst sehr spät gewählt, im Schnitt liegt die Verzögerungszeit zwischen Auftreten der Beschwerden und der Alarmierung des Notarztes knapp 20 Minuten über dem Schnitt der Männer.

Ein Wettlauf gegen die Zeit
Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, wenn erkannt wird, dass es sich bei den Beschwerden um einen Herzinfarkt handelt. Dass die Symptome gerade bei Frauen häufig erst sehr spät auf einen möglichen Herzinfarkt zurückgeführt werden, kann fatale Folgen haben. „Bei einem Herzinfarkt können Minuten über die Schwere der Folgeschäden, und sogar über Leben und Tod entscheiden“, so Oberärztin Dr. Radke.  Ein Herzinfarkt entsteht meist dadurch, dass ein Blutgerinnsel ein Herzkranzgefäß verstopft und dadurch die Sauerstoffzufuhr zum Herzen verhindert wird. Meist ist die betroffene Arterie bereits durch Ablagerungen an der Innenwand des Gefäßes vorgeschädigt. Diese Ablagerungen, auch „Plaques“ genannt, bestehen aus Fetten und Kalk. Eine solche Verkalkung im Bereich der Herzkranzgefäße (Gefäße, die das Herz mit Blut versorgen) nennt sich Koronare Herzkrankheit (KHK), und gilt als Hauptursache für einen Herzinfarkt. Bekommt nun ein abgelagertes Kalk/Fett-Plaque einen Riss und bricht auf, lagern sich sofort Blutplättchen an, um den Riss wieder zu verschießen. Dadurch werden Botenstoffe freigesetzt, die weitere Blutplättchen herbeirufen: es entsteht ein Blutgerinnsel. Ist die betroffene Arterie vollständig verstopft, kommt es zum Herzinfarkt. Für beide Geschlechter gilt: Die erste Stunde, nachdem sich das Gefäß verschlossen hat, ist ausschlaggebend. Daher wird diese Zeit auch „goldene Stunde“ genannt. Wird schnell gehandelt, kann möglicherweise Schlimmeres verhindert werden: Bereits nach 20 Minuten beginnt der Herzmuskel, in dem mit Sauerstoff unterversorgten Bereich abzusterben. Dieser Vorgang ist nicht mehr rückgängig zu machen. Durch das Absterben des Herzmuskelgewebes vernarbt das Herz, was später wiederum zu einer Herzschwäche und auch zu Herzrhythmusstörungen führen kann.

Risiken
„Für Frauen gelten die selben Risikofaktoren, die auch bei Männern ausschlaggebend sind: Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, eine genetische Veranlagung, Übergewicht, Bewegungsmangel und Psychosoziale Faktoren.“ stellt Dr. Radke fest. Aufgrund der weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene) sind Frauen bis zu den Wechseljahren gut gegen eine Arteriosklerose (Verengung der Herzkrankgefäße) geschützt, was sie auch vor einem Herzinfarkt bewahrt. Eine Ausnahme gibt es: Frauen, die die Anti-Baby-Pille nehmen und rauchen, haben ein hohes Herzinfarktrisiko. Setzen die Wechseljahre ein, wird die Produktion von Östrogen nach und nach eingestellt. Dadurch nimmt das Herzinfarkt-Risiko zu. Es ist daher auch wichtig, nach der Menopause verstärkt auf weitere Risikofaktoren wie z.B. den Blutdruck und Diabetes zu achten, da sich das Risiko dadurch potenziert. Auch das Schlaganfallrisiko steigt z.B. durch den in den Wechseljahren auftretenden erhöhten Blutdruck an.

Währet den Anfängen
Sind die Symptome bei Männern und Frauen noch so verschieden, bleiben die Risikofaktoren bei beiden Geschlechtern doch dieselben. Dr. med. Kristin Radke empfiehlt: „Wer auf eine gesunde Lebensweise, regelmäßige körperliche Bewegung und auf sein Körpergewicht achtet, hat eine größere Chance, im Alter Krankheiten vorzubeugen.“

Zurück

Einen Kommentar schreiben