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" Alle Jahre wieder …“ - Eine Aufklärung über die Grippeschutzimpfung

von Dr. med. Joerg Schmitthenner (Kommentare: 0)

" Alle Jahre wieder …“ - Eine Aufklärung über die Grippeschutzimpfung

Husten, Schnupfen, Fieber und Gliederschmerzen - Jeder kennt die Symptome der saisonalen Influenza, die im Volksmund auch als Grippe bezeichnet wird. Besonders in der kalten Jahreszeit verbreitet sich die akute Viruserkrankung rasend schnell auf der nördlichen Halbkugel und hält dann erstmal ein paar Tage an. Ein grippaler Infekt wird häufig mit der Influenza verwechselt, da die Symptome ähnlich sind. Eine richtige Grippe kann jedoch einen schweren Verlauf nehmen, eine Lungenentzündung hervorrufen und in manchen Fällen sogar tödlich enden.

Als Schutz vor der jährlichen Grippewelle soll der von der STIKO (ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts) empfohlene Influenza-Schutzimpfstoff dienen, der jedoch auf viele Impfverweigerer trifft. Der Grund dafür ist laut der STIKO, dass zu viele Menschen die Grippe als potenziellen Auslöser schwerer Erkrankungen unterschätzen würden. Dabei empfiehlt die STIKO die Grippeschutzimpfung dringend für:

  • Personen ab 60 Jahren
  • Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen an Herz, Lunge, Leber und Nieren
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen
  • Personen mit erhöhter Gefährdung oder Personen, die als mögliche Infektionsquelle fungieren können (z.B. medizinisches Personal oder Personen in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr)
  • Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln

Die Wirksamkeit des Impfstoffes ist recht hoch und bietet bei einer Viruszirkulation bei gesunden Erwachsenen einen Schutz von etwa 70 %. Ob man nun von der Impfung profitiert, hängt von dem Ansteckungsrisiko in der Population ab.
Bei veränderten oder neuen Viren, gegen die noch keine Immunisierung stattgefunden hat, ist der Impfschutz umso höher. In einer Bevölkerung, in der bereits viele Menschen immunisiert wurden, besteht ebenso ein hoher Schutz, da das Virus dadurch viel weniger zirkuliert. Jährlich infizieren sich etwa 5 - 20 % der Deutschen während der kalten Jahreszeit und die Schutzimpfung stellt derzeit die wirksamste Präventionsmaßnahme dar.

Durch jährliche Auffrischung für die kommende Grippesaison geschützt sein

Die STIKO empfiehlt die Immunisierung jährlich durchzuführen, da eine hohe Variabilität der Viren besteht. Es werden insgesamt jeweils zwei Typen der Virusgruppe A und zwei Typen der Virusgruppe B unterschieden. Daher wird jährlich eine Antigenkombination von der WHO festgelegt, die Bestandteile der Virusvarianten, die in der Saison erwartet werden, beinhalten.
Um eine hohe Wirksamkeit zu erreichen, sollte die Impfung am besten vor dem Jahreswechsel geschehen - Oktober und November bieten den optimalen Zeitraum, da es etwa zwei Wochen dauert, bis das Immunsystem entsprechend reagiert hat. Neben der Variabilität der Viren lässt die Immunisierung trotzdem nach ca. einem Jahr nach, sodass eine Auffrischung empfohlen wird. Seit 2014 sind in Deutschland so genannte Quadrivalente Impfstoffe (Vierfachimpfstoffe) zugelassen, die Antikörper für die zweite Gruppe der B-Variante beinhalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im Frühjahr 2018 beschlossen, dass für die kommende Influenza-Saison der Vierfach-Impfstoff eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung ist. Zudem bieten viele Arbeitgeber ihren Angestellten eine Influenza-Impfung an, um die Arbeitsunfähigkeit zu reduzieren, so auch das Klinikum Bielefeld.

Trotz der Impfung erkranken

Grundsätzlich bietet keine Impfung einen hunderprozentigen Schutz. Zudem kann es zu einer Erkrankung kommen, wenn die Impfung bereits während der Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion durch den Erreger und dem Auftreten der Symptome) durchgeführt wurde. Da nicht nur die Influenza-Viren zu Atemwegsinfektionen führen, sondern auch andere Erreger (Rhinoviren, Adenoviren, humanes Metapneumovirus, RS-Viren), kommt es häufig zu Verwechslungen. Somit sind andere grippale und fieberhafte Infekte nicht als Impfversager zu deklarieren. Wie bei jeder anderen Impfung, kann es auch bei der Influenza-Immunisierung zu Nebenwirkungen kommen. Zudem hängt ein Infektionsrisiko auch davon ab, wie das Immunsystem des Menschen aufgebaut ist, wie oft der- oder diejenige bereits geimpft wurde und an welchen Vorerkrankungen bzw. viralen Infekten er oder sie erkrankt war.

Risiken und Nebenwirkungen

Es gibt zwei Arten des Influenza-Impfstoffes – den Lebend- und den Totimpfstoff. Bei Lebendimpfstoffen handelt es sich um abgeschwächte Viren, die eine aktivere Reaktion des Immunsystems hervorrufen, damit sich sogenannte Gedächtniszellen entwickeln, die sich an die Viren erinnern. Der Körper erkennt die Oberflächenmoleküle der Viren und produziert dann die passenden Antikörper. Diese Art ist in Form eines Nasensprays vorhanden und wird nur bei Kindern zwischen 2 und 17 Jahren eingesetzt. In vielen Fällen kommt es hier zu typischen Grippesymptomen wie Fieber, Frösteln und einer laufende Nase, welche aber in der Regel nach ein bis zwei Tagen wieder abklingen. Durch einen Lebendimpfstoff ist ein längerer Schutz gewährleistet, welcher bei der  Influenza jedoch weniger sinnvoll ist, da sich die Erreger häufig bereits nach einem Jahr wieder verändert haben. Dann bietet der Lebendimpfstoff keinen Schutz mehr. Außerdem kann dieser bei Menschen mit bereits geschwächtem Immunsystem, zu gefährlichen Erkrankungen führen.
In der Regel wird also der Totimpfstoff verwendet, welcher abgetötete Erreger und Antikörper enthält. Diese sind schneller wieder abgebaut, weshalb die Impfung jährlich wiederholt werden sollte. Der Totimpfstoff ist in der Regel gut verträglich. In einigen Fällen kann es zu Rötungen oder Schwellungen an der Injektionsstelle kommen.

Die Impfquote

Das Robert Koch-Institut führt jährlich Studien zur Impfquote durch. Nach wie vor lassen sich zu wenig Menschen impfen. Die Impfangebote werden besonders von Schwangeren und von medizinischem Personal zurückgewiesen, obwohl sie zu den Risikogruppen gehören. Eine Zielvorgabe der Europäischen Union ist, dass sich 75 % der älteren Bevölkerung impfen lassen, jedoch ließen sich im letzten Jahr nur 35 % der Menschen ab 60 Jahren impfen. Demnach werden diese Zielvorgaben nicht annähernd erreicht.

Schutz auch bei verspäteter Impfung

Auch eine spätere Impfung kann für einen Schutz sorgen, wenn noch keine Infektion besteht. In jedem Fall sollte für ein Beratungsgespräch der Hausarzt aufgesucht werden.

Argumente von Impfgegnern, die längst widerlegt sind

Obwohl jedes Jahr so viele Menschen an der Influenza erkranken, gibt es dennoch viele Impfgegner, die keine Immunisierung zulassen wollen und damit argumentieren, dass eine Impfung nicht vor der Krankheit schütze, sondern eine Grippe hervorriefe. Dieses Argument wurde wissenschaftlich widerlegt, da es sich, wie bereits ausgeführt, in den meisten Fällen um Todimpfstoffe handelt, die inaktiviert sind und keine vollständigen Viren mehr enthalten. Der Impfstoff enthält Bestandteile der Viren, gegen die der Körper schnell Antikörper bilden kann. Sollten grippeähnliche Symptome auftreten, so schwächen diese schnell wieder ab und sind mit einer echten Influenza nicht zu vergleichen.
Ein weiteres Argument der Impfgegner ist, dass eine Influenza trotz der Schutzimpfung auftreten würde, da es keinen sicheren Schutz gegen Grippe gäbe. Die Wirksamkeit der Impfung ist recht hoch und liegt bei gesunden Menschen bei 70 %. Zudem zirkulieren andere Viren und Bakterien, die für eine Erkrankung sorgen. Außerdem könnte bereits während der Inkubationszeit geimpft worden sein. Bei älteren Menschen kann es zu einer Abschwächung des Wirkstoffs kommen, da das Immunsystem nicht mehr so gut arbeitet. Aus diesem Grund wird bei älteren Menschen ab 65 Jahren meistens ein Wirkstoffverstärker mit verabreicht.

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